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06.07.10

Maßgeschneidert oder von der Stange?

Cloud Computing und Virtualisierung im RZ-Umfeld


Cloud Computing und Virtualisierung sind derzeit heiß diskutierte Themen in der IT-Welt. Doch lassen sich auch RZ-Dienste als Cloud Services beziehen? BCC Netzwelt online im Interview mit Christian Lamare, Kapazitäts- und Produktmanager der BCC-Schwester BTC IT Services.

 

Herr Lamare, welche Bedeutung hat Virtualisierung im heutigen RZ-Umfeld?

 

Das Thema Virtualisierung ist nicht neu, setzt sich aber verstärkt auf dem Markt durch. Dienstleister und Endkunden setzen heute verstärkt darauf. War es in der jüngeren Vergangenheit eher üblich, einfache Systeme zu virtualisieren, geht man heute mutiger ran und virtualisiert auch komplexe Server-Landschaften. Das bewirkt vor allem die heutige Technologie. Sie ermöglicht es, die früher noch limitierenden Faktoren wie Performance, IO-Last auf den Datenbanken und den enormen Hauptspeicherbedarf bei anspruchsvollen Virtualisierungslösungen zu stemmen.

 

Diese hohen Anforderungen an die Hardware sind gleichzeitig auch die Hauptargumente für Unternehmen, eine Auslagerung von RZ-Services an Managed-Services-Dienstleister wie BTC anzustreben. Natürlich sollte jedes mit Bedacht vorab prüfen, welche Teilbereiche überhaupt infrage kommen. Da helfen im Vorfeld beispielsweise Assessments, die Prozessorlast, IO und Hauptspeicherbedarf einzelner Dienste und Anwendungen testen.

 

Welche Rolle spielt die Virtualisierung in Bezug auf Cloud Computing?

 

Die Ziele von Virtualisierung im RZ-Umfeld sind ja vor allem Serverkonsolidierung, ein besseres Ausnutzen der Geräte und das Verbessern der Energieeffizienz, also Kostensenkung. Diese Faktoren sind gleichzeitig die Voraussetzungen für einen funktionierenden Cloud Service. Erst die Virtualisierung von Server- und Speichersystemen versetzt die Provider in die Lage, Skaleneffekte zu erzeugen und dadurch preisgünstig zu arbeiten. Aber es gibt auch technische Gründe:

 

In virtualisierten Umgebungen lassen sich beispielsweise Hochverfügbarkeitskonzepte elegant umsetzen. Sie ermöglichen es, ein virtualisiertes System automatisch oder per Knopfdruck von einem Rechenzentrum in ein anderes zu verschieben.

 

Cloud Computing ist ein Konzept, das große Flexibilität bringt, da Systeme und Anwendungen in kürzester Zeit skalierbar sind. Virtualisierte Serversysteme können eventuell auftretende Lastspitzen leicht abdecken, das geht quasi auf Knopfdruck. Das ist so bei Hardware nicht möglich. In der Regel sind die virtuellen Maschinen inklusive Betriebssystem als Templates verfügbar, sodass die Inbetriebnahme eines neuen virtuellen Systems in kürzester Zeit möglich ist.

 

Wo wird die Entwicklung von Cloud Computing aus RZ-Sicht Ihrer Meinung nach hingehen?

 

Unternehmen werden sowohl die interne Cloud, bei der das Unternehmen selbst Services zur Verfügung stellt, als auch die externe öffentliche Cloud nutzen. Das hängt natürlich ganz wesentlich von der Unternehmensgröße ab. Gerade KMUs werden von den externen Cloud-Diensten profitieren, da sie die Möglichkeit haben, Services und Technologien einzukaufen, die sie in Eigenregie nicht in gleicher Qualität produzieren könnten.

 

Die Frage ist dann nicht mehr, wo die Dienste erbracht werden, nur noch wie. Dieser Umstand darf aber auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Dienste auch physikalisch eine Heimat haben müssen. Cloud Services werden vor allem dann gefragt sein, wenn sie günstiger und qualitativ hochwertiger sind als der Eigenbetrieb, denn sonst würden sich Kunden nicht in ein Korsett hoch standardisierter Dienste zwingen lassen.

 

Werden Cloud Services das kundeneigene RZ überflüssig machen?

 

Da wird es immer eine Durchmischung geben. Das Hauptproblem liegt darin, dass ein Cloud Service immer nur im begrenzten Maße auf die individuellen Anforderungen eines Kunden eingehen kann, denn wesentliche Charakterzüge des Cloud Computing sind gerade die Standardisierung und Massenfertigung von Produkten. Das sehen wir hier bei unserer Arbeit immer wieder: SAP gehört beispielsweise zu unseren Kernkompetenzen. Natürlich setzt man auch in diesem Umfeld auf Standardisierungen. Viele Parameter sind allerdings von Kunde zu Kunde unterschiedlich, zum Beispiel, welche Datenbank hinter dem SAP-System liegt. Das kann genauso gut Oracle wie Microsoft SQL oder etwas ganz anderes sein. Hat der Kunde hier Sonderwünsche, würde eine Cloud-Nutzung nur noch sehr begrenzt infrage kommen.

 

Halten Sie Cloud Computing dann überhaupt geeignet für RZ-Dienstleistungen?

 

Das ist nicht pauschal zu beantworten und hängt wesentlich von den Anforderungen des Kunden ab.

Der Nutzer muss sich auf den hohen Standardisierungsgrad eines Cloud Services einlassen wollen. Neben der Kostenersparnis bestechen Cloud Services vor allem mit ihrer flexiblen und schnellen Skalierbarkeit. Das bieten natürlich auch individuelle Lösungen, wie BTC sie hauptsächlich anbietet, doch nicht im gleichen Grad wie bei Cloud Services.

 

In der Regel finden wir beim Kunden bereits eine Landschaft vor, die wir optimiert betreiben, da ist eine standardisierte Sicht nicht immer möglich. Kunden, die eine individuelle Lösung benötigen, haben mit einem Cloud Service auch eher Probleme, da dieser ihre Erwartungen nicht im gleichen Maße erfüllt, wie sie es benötigen.

 

Unsere Philosophie entspricht nicht unbedingt der des Cloud Computings. Wir legen viel Wert auf Kundennähe und Augenhöhe. Das sind Werte, die die heutigen Cloud-Riesen wie Amazon oder Google nicht bieten können. Cloud Computing setzt auf standardisierte Produkte im großen Stil. Wir setzen auf Individualität in kleinen Stückzahlen. Die Mehrheit der Kunden wird künftig sicherlich beide Ansätze benötigen, je nachdem wie die einzelnen Bereiche ausgeprägt sind.



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